„Es geht längst nicht nur um Wohnungen. Es geht um Zukunft.“
Clemens Stafflinger, kaufmännischer Geschäftsführer der Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen gGmbH
Als kaufmännischer Geschäftsführer einer der großen Arbeitgeber unserer Region im Gesundheitssektor ist das Thema „bezahlbarer Wohnraum“ für Clemens Stafflinger essentiell, um Fachkräfte zu gewinnen und langfristig in der Region halten zu können. Doch die Sorge um das, was innerhalb unserer Region aktuell passiert, ist groß – vor allem um das, was droht zu verschwinden. Die Initiative „Wohnraum schaffen“ der Zugspitz Region GmbH begrüßt Clemens Stafflinger deshalb nachdrücklich.
Herr Stafflinger, bezahlbarer Wohnraum – wie sehr betrifft dieses Thema Ihre Klinik?
„Sehr. Und auf vielen Ebenen. Ich spreche täglich mit unseren Mitarbeitenden. Was viele nicht sehen: Es sind nicht nur neue Fachkräfte, die Schwierigkeiten haben, hier anzukommen. Es sind auch die Menschen, die bereits bei uns arbeiten. Gerade Mitarbeitende mit Familien. Wenn sie uns verlassen, liegt es sehr häufig nicht am Job, nicht am Team, nicht am Arbeitgeber. Es liegt daran, dass sie in eine andere Region ziehen – weil sie sich ein Leben hier nicht (mehr) leisten können.“
Wie kommt das? Die Menschen leben doch bereits hier?
„Na ja, für Singles oder junge Paare, am besten beide voll berufstätig, findet man mit etwas Glück oft noch ein Apartment oder eine kleine Wohnung. Aber sobald Kinder dazukommen, ist es fast unmöglich. Familienfreundlichen Wohnraum zu einem bezahlbaren Preis gibt es hier faktisch nicht. Viele sagen: Ein Leben als Familie können wir uns im Landkreis Garmisch-Partenkirchen nicht mehr leisten, erst recht nicht, wenn ein Elternteil wegen dem Kind beruflich kürzertreten und für das Kind da sein möchte, anstatt Vollzeit arbeiten zu gehen. Oder nehmen wir einen unserer Bereichsleiter. Er und seine Frau haben zwei Kinder. Sie leben seit Jahren als vierköpfige Familie in einer 3-Zimmer-Wohnung. Und sie suchen seit Jahren etwas Größeres – vergeblich. Mit kleineren Kindern geht das vielleicht noch. Aber mit zwei Jugendlichen ist irgendwann die Schmerzgrenze erreicht. Das zehrt.“
Wird bezahlbarer Wohnraum damit zum größten Hindernis bei der Fachkräftegewinnung und -bindung?
„Ja, definitiv, bezahlbarer Wohnraum ist der größte Hemmschuh für uns – und für viele soziale und medizinische Einrichtungen in der Region. Wir könnten mehr Leistungen anbieten, wir könnten Kapazitäten besser ausschöpfen. Aber uns fehlen die Menschen, die dafür gebraucht werden. Und oft scheitert es nicht an der Motivation, nicht an der Qualifikation – sondern ganz banal an einer Wohnung.“
Was muss geschehen?
„Viele Menschen in unserer Region besitzen Wohnraum, der leer steht. Mehr als 2.000 Wohnungen, sagt die Statistik. Wir müssen uns die Frage stellen, warum das so ist. Ich höre immer wieder: Aus Angst vor Mietnomaden oder vor dem bürokratischen Aufwand. Andere haben Ferienwohnungen, die sie nur – so glauben sie zumindest - mit großem Aufwand steuerrechtlich umwidmen könnten. Ich verstehe diese Sorgen. Aber sie blockieren eine Entwicklung, die wir dringend brauchen. Wir sollten wegkommen vom problemorientierten Denken, hin zu einer lösungsorientierten Betrachtungsweise. Jeder leerstehende Wohnraum, der einer Familie ein neues Zuhause gibt, ist ein Baustein für die Zukunft unserer Region.“
Was passiert, wenn wir nicht handeln, wenn sich nichts ändert?
„Bezahlbarer Wohnraum hat direkten Einfluss auf die Lebensqualität aller Menschen in der Zugspitz Region. Das gilt insbesondere, wenn bezahlbarer Wohnraum für Fachkräfte im Bereich Soziales und Gesundheit fehlt. Wenn wir nicht genügend Fachkräfte anziehen – und wenn sogar diejenigen wegziehen, die schon da sind –, dann ist irgendwann niemand mehr da, der die Versorgung aufrechterhält. Das ist keine ferne Zukunftsvision. Das passiert schon jetzt. Mein Appell daher an die Bürgerinnen und Bürger: Wenn unser Landkreis auch in Zukunft ein guter Ort für die Gesundheitsversorgung, für ältere und pflegebedürftige Menschen sein soll, dann brauchen wir Wohnraum für diejenigen, die diese Lebensqualität und diese Versorgung sichern. Jede Wohnung, die entsteht, jede Wohnung, die wieder bewohnbar wird, jede Entscheidung, die Wohnraum möglich macht – sie hilft uns allen.“